| Es
ist allgemein bekannt, dass die Weltmeere keine leisen und geräuscharmen
Welten darstellen. Viele Lebewesen, die im Meer leben erzeugen Laute zur
Suche nach Nahrung, nach Partnern oder bei ihrer Kommunikation. Aufgrund
der guten Ausbreitung von Schall im Medium Wasser spielt der Hörsinn
bei vielen Meeresbewohnern eine äußerst wichtige Rolle. Über
Millionen von Jahren, bei fast konstanten Geräuschverhältnissen,
fand bei diesen Tieren eine optimale Anpassung an den Lebensraum Wasser
statt. |
In
den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch durch das menschliche Einwirken
die Geräuschkulisse im Meer
stark
verändert. Bioakustiker haben die Zunahme an Lärm im Meer mit
einem ständigen Nebel verglichen, der den sensorischen Radius vieler
wasserlebender Tiere beeinträchtigt. Andere Wissenschaftler vergleichen
die Effekte der Schallwellen, die z.B. bei der Anwendung von militärischen
Sonarsystemen erzeugt werden, mit den Folgen von Dynamitexplosionen. Diese
Annahmen sind Besorgnis erregend und suggerieren, dass es in naher Zukunft
vermehrt zu Massenstrandungen im Falle der Cetaceen oder zu massiven Todesfällen
im Allgemeinen kommen wird. |
| Die
zunehmende Lärmentwicklung, die je nach Quelle, das gesamte Frequenz-Spektrum
betrifft, kann für viele Meeresbewohner katastrophale Folgen haben. |
| Als
Hauptquellen der ansteigenden akustischen Belastung der Meere sind besonders
hervorzuheben: |
|
| Militärischer
Einsatz von hochleistungsfähigen aktiven Sonarsystemen |
Dieses
System, welches vor allem von Seestreitkräften eingesetzt wird (z.B.
NATO, US-Navy), dient der Lokalisierung von U-Booten und anderen Objekten.
Das
Prinzip basiert auf der Ausstrahlung von akustischen Signalen niederer
und mittlerer Frequenzen mit einem hohen Schallpegel.
Zahlreiche
Länder - unter ihnen auch die NATO- Mitgliedsstaaten - arbeiten derzeit
an der Entwicklung dieser Hochleistungs-Sonarsysteme.
Es
ist zu befürchten, dass diese bereits in naher Zukunft in fast allen
Weltmeeren zum Einsatz kommen.
Der
hierbei eingesetzte Schallpegel ist für die Tiere nicht nur äußerst
unangenehm, vielmehr kann er in einigen Fällen zum Tode führen.
Laut
einem Bericht des NRC (National Research Council, 2003) gibt es eindeutige
Hinweise auf einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Massenstrandungen
von Cuvier Schnabelwalen (Ziphius cavirostris) im Mittelmeer (1998),
vor den Bahamas (2001) und den Kanarischen Inseln (2002) und solchen militärischen
Sonarübungen.
Weiterhin
ist anzunehmen, dass die bereits registrierten Massenstrandungen in Alaska,
Hawaii, Griechenland, Italien und Japan im Laufe der letzten 10 Jahren
auf militärische Sonareinsätze zurück zu führen sind.
Betroffen
sind hiervon nicht nur Wale und Delphine sondern auch andere Meeresbewohner.
Es
ist daher dringend erforderlich, diese Übungen zu stoppen, bis mittels
wissenschaftlicher Studien das Ausmass der Auswirkungen auf die Meeresfauna
ermittelt worden ist.
''Airguns''
werden bei der Reflexionsseismik eingesetzt.
Bei
diesem Verfahren ziehen Schiffe Hochdruckbehälter mit komprimierter
Luft hinter sich her.
In
regelmäßigen Abständen wird diese Luft freigesetzt, wobei
starke Druckwellen entstehen, die bis zum Meeresgrund vordringen. Die Reflexionen
vermitteln dabei ein Bild der Bodenbeschaffenheit. |
|
| Für
Meeresbewohner haben diese ''Airguns'' verheerende Folgen, da der Schalldruckpegel
bis zu 260 Dezibel erreichen kann. Zum Vergleich: die menschliche Schmerzgrenze
liegt bei 130 Dezibel, bereits eine Erhöhung um 6 Dezibel würde
einer Verdoppelung des Schalldrucks bedeuten. |
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| Zunehmender
Schiffsverkehr und andere Geräuschquellen |
Verkehr
und Transport von Menschen und Gütern auf See hat in den letzten 50
Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren. Folge dieser rapiden Entwicklung
ist ein kontinuierlich ansteigender Lärmpegel in den Meeren.
Schiffsverkehr
macht sich hierbei besonders im niederfrequenten Bereich (5 bis 500 Hz)
bemerkbar.
Weitere
Lärmquellen sind bei der Erdöl- und Gasgewinnung auf offenem
Meer zu finden.
Angefangen
bei seismologischen Untersuchungen, über Bohrungen, bis hin zur Gewinnung
von Öl und Gas, lösen alle Phasen der Exploration Lärm aus.
Obwohl der Schallpegel, der bei diesen Aktivitäten erzeugt wird, bei
weitem nicht so stark ist wie bei Sonarübungen oder Airguns, beeinträchtigen
diese Geräusche den Lebensraum vieler Meeresbewohner. Teils können
sich zwar einige Tiere an diese neue Geräuschkulisse gewöhnen,
was allerdings mit gewaltigem Stress verbunden ist. In vielen Fällen
reagieren die Tiere jedoch mit Flucht, wobei sie bei weitem mehr Energie
als üblich verbrauchen und sich ihre Fresszeiten verkürzen. Häufig
werden auch Verhaltensveränderungen registriert bis hin zum Verlassen
der Areale. |
| Was
können wir unternehmen? |
| Verhaltensbeobachtungen
im Freiland wie auch Versuche mit in Menschenobhut lebenden Tieren haben
gezeigt, dass Lärm äußerst störend auf viele Meeressäuger
wirkt. Beweise hierfür findet man auf der Verhaltensebene aber auch
Abweichungen bestimmter physiologische Parameter zeigen, dass Lärm
bei vielen Tieren Stress auslöst. Diese Beobachtungen stützen
sich jedoch auf eine geringe Anzahl von wissenschaftlichen Studien mit
nur wenigen Tierarten. Es ist daher dringend erforderlich, weitere Studien
durchzuführen, um das Ausmaß der Auswirkungen von Lärm
auf das Verhalten von Tieren zu ermitteln. |
|
| YAQU
PACHA fordert daher: |
| 1.) |
Durchführung
wissenschaftlicher Studien im Bereich der Sinnesphysiologie, nicht nur
bei Säugern, sondern auch bei anderen Meerestieren. So ist beispielsweise
die Auswirkung von Lärm auf Fische und wirbellose Meerestiere weitesgehend
unbekannt. |
| 2.) |
Determination
von Stress-Indikatoren. Besonders wichtig dabei wäre zwischen „lärmbedingtem“
Stress und anderen Stressquellen zu unterscheiden. |
| 3.) |
Weitere
Studien mit dem Ziel, die globale Verbreitung von Meeressäugern zu
definieren. Zum Beispiel sind bis dato Migrationsrouten, Fortpflanzungs-
und Nahrungsareale von nur wenigen Arten bekannt. |
| 4.) |
Programme
zur Überwachung von Lärm im Meer, in denen auch langfristige
Fluktuationen registriert werden. |
| 5.) |
Untersuchungen
mit dem Ziel kausale Zusammenhänge zwischen gestrandeten Tieren und
der Nutzung von Sonarsystemen oder Airguns zu erkennen. |
| 6.) |
Weltweiten
Verzicht auf die Nutzung von militärischen Hochleistungssonarsystemen
bis ihre Auswirkungen auf die Meeresbewohner nicht präzise ermittelt
sind. |
| 7.) |
Explorationsaktivitäten
(Erdöl und Gas) nur unter Berücksichtigung von Migrationsstrecken,
Streifgebieten, Fortpflanzungs- und Nahrungsarealen. |
| 8.) |
Objektive
Informationspolitik seitens aller Parteien (Militär, Industrie, Ozeanographie,
Artenschutzgesellschaften), die sich mit dem Thema Lärm im Meer auseinandersetzen. |
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|
| :
ZUR
PETITION GEGEN HOCHLEISTUNGS-SONARYSTEME |
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