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| Überlebensstrategien
für zwei kaum erforschte Delfinarten in einer der grössten Aquakultur-
Wachstumsregionen Südamerikas |
| Projektleitung:
Dr.
Sonja Heinrich |
| Seit
Sommer 2002 steht nun neben dem bedrohten La Plata-Delfin
eine weitere kaum bekannte, recht kleine und gefährdete Delfinart
auf der Projektliste von yaqu pacha: der Chilenische
Delfin (Cephalorhynchus eutropia). Chilenische Delfine leben
nur in den küstennahen Gewässern von Mittel bis Süd-Chile
(etwa von Valparaiso bis Feuerland). Zusammen mit anderen Delfinarten,
wie dem etwas grösseren Peale’s Delfin
(Lagenorhynchus australis), wurden Chilenische Delfine jahrzehntelang
von Fischern in Süd-Chile intensiv bejagt, um ihr Fleisch als Köder
in der Schwertfisch- und Seespinnen-Fischerei sowie zum menschlichen Verzehr
zu verwenden. Der direkte Fang spielt heute dank restriktiverer Schutzgesetze
und Änderungen der Fischereimethoden kaum mehr eine Rolle. |
| Die
gegenwärtig grössten Gefahren für die Bestände von
Chilenischen Delfinen und Peale’s Delfinen gehen jedoch vom Beifang in
küstennaher Stellnetzfischerei und durch von Menschen hervorgerufene
Veränderungen des Lebensraumes aus. Insbesondere die stetig expandierenden
Aktivitäten der Aquakultur-Industrie (Lachs- und Muschelzucht) in
den geschützten Buchten und Fjorden im Süden Chiles könnten
gravierende Auswirkungen auf das gesamte küstennahe Ökosystem
haben. |
| Die
wenigen existierenden Informationen weisen darauf hin, dass Lachs- und
Muschelfarmen im Chiloé Archipel
in Südchile, welches eine der grössten Aquakultur-Wachstumregionen
in Südamerika darstellt, mit potentiell wichtigen Nahrungs- und Aufzuchtsgründen
der Chilenischen Delfine (und möglicherweise auch von Peale’s Delfinen)
überlappen. |
| :
DAS
CHILOÉ DELFIN PROJEKT |
| Seit
Anfang 2001 arbeiten deutsche, britische und chilenische Biologen zusammen,
um zum ersten Mal die Lebensraumnutzung der Delfine und die von menschlichen
Aktivitäten ausgehende Bedrohung im Chiloé Archipel zu untersuchen.
Hierfür sind Informationen über Aufenthaltsgebiete, Wanderungs-
und Sozialverhalten der Delfine sowie über die biologischen und physikalischen
Eigenschaften ihres Lebensraumes nötig. |
| Die
Datenerhebung erfolgt durch küstennahe Beobachtungsfahrten (zig-zag
line transect surveys) in einem seetauglichen Schlauchboot (Zodiac). Neben
ozeanografischen Messungen und visuellen Beobachtungen wird auch die bekannte
Foto-ID Methode eingesetzt, hier jedoch zum ersten Mal bei Chilenischen
Delfinen. Aufgrund ihres scheuen und unscheinbaren Verhaltens stellen Chilenische
Delfine hierbei eine besondere Herausforderung dar. |
| Die
Sichtungsdaten individuell kenntlicher Delfine geben Aufschluss über
das Wanderungsverhalten, Standorttreue und Grösse ihrer Aufenthaltsgebiete
und ermöglichen zudem die Ermittlung lokaler Bestandszahlen sowie
Untersuchungen der Sozialstruktur. Die raum-zeitliche Verteilung der Chilenischen
Delfine und der Peale’s Delfine wird in Abhängigkeit von ozeanografischen
(u.a. Wassertiefe, Wassertemperatur, Salinität, Sichttiefe), biotischen
(u.a. potentielle Nahrungsverteilung) und anthropogenen Umweltfaktoren
(u.a. Schiffsverkehr, Aquakulturfarmen) untersucht. Diese Daten dienen
dazu, "kritische Delfinhabitate“ für beide Arten zu lokalisieren und
gefährdende anthropogene Einflüsse zu identifizieren. |
| Die
gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen dem Biologenteam, konkrete Empfehlungen
für Küstenmanagement Pläne, insbesonder für
die Einrichtung mariner Schutzgebiete (MPA) und die wachsenden Ökotourismus
- Unternehmungen zu formulieren. |
| Hierbei
arbeitet das Team eng mit der örtlichen Bezirksverwaltung auf Chiloé,
der chilenischen Marine und chilenischen Interessengruppen zusammen. |
| Diese
Zusammenarbeit garantiert die Durchführung eines langfristigen Delfinprojektes
und die Umsetzung von sinnvollen und effektiven Schutzbemühungen. |
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