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Bericht
2002/2003 über das Delfinprojekt in Südchile (Proyecto Toninas)
von
Sonja Heinrich |
Zusammenfassung
Das Delfinprojekt in Südchile
läuft nun erfolgreich im dritten Sommer.
Erstmalig wurde die Verteilung
von Chilenischen und Peale’s Delfinen vor Chiloé dokumentiert und
ihre Habitate charakterisiert. Beide Arten zeichnen sich durch Vorlieben
für flache und extrem küstennahe Gebiete aus.
In diesen Gebieten konzentrieren
sich auch die weiterhin expandierenden Lachs- und Muschelfarmen. Chilenische
Delfine zeigen Standorttreue und scheinen kleinere Aufenthaltsgebiete als
Peale’s Delfine zu haben. Dies macht sie für Veränderungen in
ihrem Lebensraum besonders anfällig. Seit diesem Jahr besucht unser
Team vor Ort auch die örtlichen Schulen, um Kinder und Lehrer mit
Bildvorträgen und Informationsveranstaltungen für Delfine und
das marine Ökosystem vor ihrer Türe zu begeistern und zu sensibilisieren.
Dies ist der erste Schritt zur Umwelterziehung und zum integrierten Naturschutz
. |
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Projekt-Ontogenese
Das Delfinprojekt („Proyecto
Toninas“) vor der Insel Chiloé begann im Januar 2001 (Süd-Sommer)
als Pilotstudie mit einem seetauglichen Schlauchboot (Zodiak), einem Koffer
mit Ausrüstung, einem grossen Rucksack mit wasserdichter und warmer
Kleidung, einer gehörigen Portion Enthusiasmus und jeder Menge spannender
Fragen. Nach drei Sommern auf Chiloé können wir einige der
ersten Fragen beantworten, wobei sich gleichzeitig viel mehr neue Fragestellungen
aufgetan haben. Die Pilotstudie zeigte die räumlich sehr begrenzte
Präsenz einer kleinen Population Chilenischer Delfine im Bezirk Quellon
in Südchiloé. Überraschend war das Vorkommen der grösseren
Peale’s Delfine im fast
gesamten Bezirk mit Ausnahme
der Buchten, in denen wir regelmässig Chilenische Delfine sichteten.
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Überraschend war auch
das Ausmass der Aquakultur. Lachsfarmen waren omnipräsent, selbst
in einem entlegenen Fjord an der Südspitze Chiloés. Miesmuschelfarmen
nahmen fast die gesamte Bahia Yaldad ein, welche eines der Hauptgebiete
der Chilenischen Delfin ist. Im zweiten Sommer (2001/2002) erschlossen
wir dann auch ein zweites Studiengebiet in Zentral-Chiloe im Bezirk Castro.
Dieses Gebiet unterscheidet sich durch seine ozeanografischen (weniger
Brackwasser, grössere Wassertiefe) und anthropogenen Eigenschaften
(mehr Lachsfarmen, mehr Schiffsverkehr) von Quellon.
Der Vergleich von zwei diversen
Studiengebieten ermöglicht uns, |
unterschiedliche Faktoren zu
untersuchen, die die Habitatnutzung von Chilenischen und Peale’s Delfinen
beeinflussen. Im dritten Sommer (2002/2003) haben wir die vergleichenden
Besuche der beiden Studiengebiete fortgesetzt.
Die Datenmenge reicht nun
aus, um erstmalig Habitatnutzungsmodelle für Chilenische und Peale’s
Delfine zu entwickeln und zu vergleichen. |
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Ausfahrten
und Sichtungen
Wenn das unbeständige
Wetter Chiloe’s es zuliess (d.h. kein Dauerregen, ruhige See) unternahmen
wir so oft wie möglich Ausfahrten in unserem kleinen seetauglichen
Schlauchboot. Hierbei wurde ein vorgegebener Teil des Studiengebietes im
zick-zack Muster nach der Linientransekt-Methode abgefahren. Ausfahrten
dauerten je nach Wetterbedingungen und Delfinsichtungen zwischen fünf
und zehn Stunden. In regelmässigen Zeitintervallen und bei allen Delfinsichtungen
nahmen wir verschiedene Messungen vor, um das vorhandene Habitat zu charakterisieren
und später dann die Eigenschaften der Gebiete mit Delfinsichtungen
mit denen der Gebieten ohne Delfinsichtungen vergleichen zu können. |
| Tabelle
1: Feldarbeit auf Chiloé in Süd- und Zentral-Chiloé |
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Zeitraum
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Ausfahrten
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Distanz
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Chilenische Delfine
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Peale’s Delfine
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(Tage)
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(Km)
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| Jan. 2001 - Apr. 2001 (Pilotstudie) |
| Dez. 2001 - Apr. 2002 |
| Nov. 2002 - fortlaufend |
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Beide Delfinarten trafen
wir ausschliesslich in kleinen Gruppen an, was bei küstennahen Delfinarten
allgemein üblich ist. Bei Chilenischen Delfinen lag die mittlere Gruppengrösse
bei sechs Tieren in Süd-Chiloé, und bei vier Tieren in Zentral-Chiloé.
Peale’s Delfine in Zentral-Chiloé hatten im Mittel grössere
Gruppen (sieben Tiere) als in Süd-Chiloé (vier Tiere).
Aus unseren Sichtungen und
Wiedersichtungen ergibt sich ein vorläufiges Bild, in dem einige
Buchten im Süden Chiloés ein bevorzugtes Habitat von Chilenischen
Delfinen darzustellen scheinen und sich dort eine zumindest teilweise residente
Population in sehr begrenztem Raum aufhält. |
Chilenische Delfine ziehen
in diesem Gebiet meist in kleinen Gruppen umher, aber zu bestimmten Zeiten,
wie z.B. bei der Nahrungssuche konnten wir oft das Zusammenkommen von mehreren
kleineren Gruppen und gemeinsames Jagdverhalten beobachten (daher im Mittel
grössere Gruppen). In Zentral-Chiloé dagegen trafen wir
immer nur kleine, vereinzelte und geographisch deutlich getrennte Gruppen
Chilenischer Delfine (Sichtungen mindestens 25 km auseinander). Bei Peale’s
Delfinen konnten wir das Zusammenkommen von verschiedenen kleineren Gruppen
auch beobachten, jedoch nur in Zentral-Chiloé, wo Peale’s Delfine
häufiger und zahlreicher anzutreffen sind. |
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Einige Fragen bedürfen
noch der genaueren Untersuchung und vollständigen Analyse aller bis
dato vorhandenen Daten (siehe Foto-Identifikation),
wie z.B.
a) Wie gross sind die lokalen
Delfinpopulationen?
b) Wie gross sind die Aufenthaltsgebiete
individuell identifizierbarer Tiere und gibt es dort Unterschiede innerhalb
der Populationen?
c) Sind die beobachteten
kleinen Gruppen stabil oder mischen sich die Delfine einer Population frei
zwischen verschiedenen nur temporären Gruppen?
Bei beiden Arten scheinen
die Kälber vermehrt während der Hauptsommer- Monate geboren zu
werden. |
Neugeborene Kälber erkennt
man an ihrem noch unkoordinierten Schwimmverhalten und Auftriebsregulation
(Neugeborene dümpeln wie „kleine Korken“ an der Oberfläche),
in ständiger Begleitung durch einen adulten Delfin und den deutlich
sichtbaren Geburtsmarken am Körper („Knautschfalten“). Der Anteil
der gesichteten Gruppen, die mindestens ein Kalb bei sich führten,
verdreifachte sich von Dezember (25%) bis April (75%). |
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Foto-Identifikation
Bei den Grosswalen gilt
das Motto „Zeigt her Eure Fluken“
(siehe Buckelwal-Pojekt)
Bei Delfinen werden dagegen
die Rückenfinnen fotografiert, anhand derer einzelne Tiere mittels
markanter Marken (meist Narben, Bisswunden, alte Verletzungen) identifiziert
werden können.
Wir haben bis jetzt über
5.000 Fotos von Chilenischen Delfinen und Peale`s Delfinen gemacht, von
denen etwa ¼ der Fotos Finnen in guter Aufnahmequalität und
gutem Winkel zeigen.
Bis heute haben wir 33 Chilenische
Delfine und 24 Peale’s Delfine individuell identifizieren können.
Unser Identifikationskatalog wird aber noch wachsen, denn viele Fotos sind
noch nicht bearbeitet und zugeordnet worden.
Der sehr zeitaufwändige
und kostspielige Prozess der Filmentwicklung und Verarbeitung der Fotos
wird uns diesen Sommer durch eine neue digitale Spiegelreflex-Kamera erleichtert,
mit der alle Fotos direkt nach der Ausfahrt digital auf einem Notebook
gespeichert, archiviert und sortiert werden können. Sobald alle Fotos
mit dem Katalog verglichen und archiviert sind, können Sichtungsgeschichten
der einzelnen identifizierten Delfine erstellt werden.
D.h. wann, wo und mit welchen
anderen Delfinen ein bestimmtes Tier jeweils gesehen wurde. Mittels Sichtungs-Wiedersichtungs-Statistiken
können auch die Bestandsgrössen der lokalen Populationen in Süd-
und Zentral-Chiloé abgeschätzt werden.
Links sehen Sie mit den
Delfinen Juanito, Carmen, Nick und Oscar einen kleinen Auszug aus dem Foto-Katalog
für Chilenische Delfine. |
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Habitatnutzung
Beide Delfinarten zeigen
ausgeprägte Vorlieben für flache und extrem küstennahe Habitate
(75% aller Sichtungen waren weniger als 400 m vom Ufer entfernt, und 80%
aller Sichtungen waren in weniger als 20 m Wassertiefe). Chilenische Delfine
zeichneten sich durch ein eher lokalisiertes diskontinuierliches Vorkommen
aus, wohingegen Peale’s Delfine an weitverstreuten Küstenabschnitten
gesichtet wurden. Unsere Sichtungsverteilung lässt eine räumlich-zeitliche
Trennung der Habitate zwischen den beiden Arten vermuten. Nur insgesamt
fünf Mal konnten wir räumliche Überlappung zwischen beiden
Arten beobachten. In zwei Fällen handelte es sich sogar um gemischte
Gruppen aus zwei Chilenischen und zwei bzw. vier Peale’s Delfinen. Solche
„gemischte Gruppen“ sind bei küstennahen Delfinen eher selten und
wurden für Peale’s Delfine bis dato nur in Südargentinien beobachtet
(mit Jakobita-Delfinen, der lebhafteren und kleineren Schwesterart der
Chilenischen Delfine). Für beide Arten, Chilenische und Peale’s Delfine,
gilt jedoch, dass die Hauptverbreitungsgebiete vor der Chiloé Insel
durchsetzt sind mit Aquakultur-Farmen. Direkte Interaktionen zwischen Delfinen
und Lachs-, oder Muschelfarmen, wie z.B. Nahrungssuche in der Nähe
von Lachskäfigen, wurden noch nicht beobachtet. Ein möglicher
Ausschluss der Delfine aus potentiell wichtigen Habitaten und Beeinflussung
durch eine Veränderung des lokalen Ökosystems durch die Aquakultur-Aktivitäten
erscheint jedoch plausibel. |
| Grafik
1: Beispiel der Verbreitung Chilenischer Delfine und Aquakultur-Zentren
im Bezirk Quellon, Südchile im ersten Studien-Sommer 2001. |
| Rote
Flächen |
Gebiete, in denen bei mehr
als 50% der Besuche Chilenische Delfine gesichtet wurden. |
| Gelbe
Flächen |
Gebiete, in denen bei mehr
als 20% der Besuche Chilenische Delfine gesichtet wurden. |
| Grüne
Flächen |
Gebiete, in denen nur einmal
Chilenische Delfine gesichtet wurden. |
| Sterne |
Lachsfarmen |
| M |
Muschelfarm |
| Schwarze Flächen |
grossflächige Muschelfarmen
mit mehr als 1000 gespannten Wachstumsleinen |
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Ausdehnung
und Probleme der Aquakultur
Detaillierte Informationen
über die Aquakultur in den einzelnen Regionen sind von offizieller
chilenischer Seite leider nicht oder nur spärlich erhältlich.
Dies liegt nicht unbedingt an unkooperativen Behörden, sondern, wie
auf wiederholte Nachfragen hin erklärt wurde, an der Datenerhebung
und Verwaltung der Informationen. Die Gesetzgebung in Chile schreibt Umweltgutachten
und Genehmigungsverfahren vor der Zulassung von Farmen vor. Allerdings
fehlen Gelder und Personal, um die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren.
Ferner fehlen genaue Raumpläne, die eine kartografische Erfassung
der einzelnen Farmen und somit eine Kontrolle über deren |
rechtmässige Lage und
Ausdehnung ermöglichen. Während unserer drei Studiensommer beobachteten
wir eine Abnahme von 29 auf 25 operierende Lachsfarmen in Süd-Chiloé.
Dies reflektiert jedoch nicht unbedingt eine Verringerung der Aktivitäten,
sondern vielmehr eine Umstrukturierung innerhalb der Farmkomplexe zu weniger,
aber grösseren Zentren. Lachsfarmen werden auch periodisch umgesetzt,
um lokalisierte Verunreinigungen auf eine breitere Fläche zu verteilen.
Dieses Umsetzen erschwert weiterhin die wenigen existierenden Kontrollen.
Im März 2002 trat dann
erstmalig in der Geschichte Chiloés eine sogenannte „Rote Tide“
(Marea Roja) von bis dato unbekannter Heftigkeit auf. Hierbei handelt es
sich um eine mikroskopische Alge (Dinoflagelat, Alexandrium catenella),
deren Stoffwechselendprodukt ein sehr gefährliches Gift ist. In hohen
Konzentrationen führt dieses Gift zu Lähmungen und zum Tod (Paralysierende
Schellfisch-Vergiftung). Der Name Rote Tide beruht auf einer möglichen
leichten Rotfärbung des Meeres durch die Vielzahl der auftretenden
Algen. Diese Algenblüten treten in Zyklen aus noch ungeklärten
Ursachen auf. Hohe Nährstoffkonzentrationen im Wasser und relative
milde Temperaturen (z.B. El Niño Jahre) scheinen das Algenwachstum
jedoch zu begünstigen. Von der Algenblüte betroffen sind Plankton-Filtrierer
wie Muscheln, u.a. auch die gezüchteten Miesmuscheln in den Muschelfarmen.
Die Muscheln erleiden keinen Schaden durch die Anreicherung des Algengiftes,
werden aber für alle tierischen Konsumenten wie viele Meeresvögel,
und auch für den Menschen zum giftigen, und möglicherweise
sogar tödlichen Leckerbissen. Allein in Süd-Chiloé starben
vier Menschen an Vergiftung durch Muscheln. Die Muschelfarmen Chiloés
wurden für fast ein Jahr geschlossen, was für die örtlichen
Bevölkerung, die weitgehend von der Muschelzucht lebt, ein schwerer
Schlag war. Alle Muschelernten unterliegen nun strengsten Kontrollen durch
staatliche Behörden. Die Auswirkungen auf das betroffene Ökosystem
wurden bis dato nicht untersucht und sind völlig unbekannt. Die Bucht
Yaldad, die eine der grössten Muschelfarmen der Insel Chiloé
beherbergt, und gleichzeitig eines der Haupthabitate der Chilenischen Delfine
ist, war von der Algenblüte mit am stärksten betroffen. Da Plankton-Filtrierer
wie Miesmuscheln nicht auf dem Speiseplan der Delfine zu stehen scheinen,
waren die Delfine von der Roten Tide nicht direkt betroffen. Indirekte
Effekte über ein verschobenes Gleichgewicht in der Nahrungskette sind
jedoch nicht auszuschliessen. Die Habitatnutzungsdaten der Delfine in Südchiloé
sollen zwischen dem letzten Sommer und diesem Sommer (bis dato ohne Rote
Tide) verglichen werden. |
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Neuerungen
- Umweltbildung auf Chiloé
Das Auftreten der Roten
Tide mit ihren katastrophalen ökonomischen Auswirkungen auf die Region
hat die Menschen vor Ort und auch die örtlichen Behörden wachgerüttelt.
Ein völliger Mangel
an Informationen über solche Algenblüten, die ökologischen
Zusammenhänge im Meer und die Auswirkungen eines veränderten
Ökosystems auf die Menschen Chiloés, die alle direkt oder indirekt
vom Meer leben, wurde deutlich. Umwelterziehung ist in den Schulen nicht
bekannt.
Auf Anregung des Dezernatleiters
für Erziehung und Bildung in Quellon hat unser Team nun zum ersten
Mal Bildvorträge und Informationsveranstaltungen in der Dorfschule
von Yaldad veranstaltet.
Themenschwerpunkt waren
natürlich die Delfine vor Ort, aber auch die Umwelt in der sie leben
und die möglichen Gefahren für diese Umwelt.
Über 60 Kinder im Alter
zwischen 8 und 15 Jahren und vier Lehrer nahmen mit regem Interesse an
dieser mehrstündigen Veranstaltung teil.
Weitere Vorträge in
Schulen der Umgebung sind noch bis Ende April geplant. Im nächsten
Sommer möchten wir diese Vortragsreihe gerne ausbauen und mit Kindern
und Lehrern Exkursionen in die Bucht veranstalten. |
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Überraschende
Sichtungen
Als grösste Überraschung
muss die erste Sichtung von drei Burmeister Schweinswalen im Studiengebiet
in Zentral-Chiloé gewertet werden.
Obwohl nicht unbedingt selten,
gehören Burmeister Schweinswale (Phocoena spinipinis) aufgrund ihrer
kryptischen Lebensweise zu den wohl am wenigsten bekannten Cetaceen überhaupt.
Sie unterbieten im Bekanntheitsgrad sogar noch die Chilenischen Delfine.
Die Gruppe der Schweinswale
unterscheidet sich von Delfinen durch ihr unauffälliges Verhalten
und spatenförmige Zähne (Delfine haben konische Zähne).
Insgesamt gibt es nur sechs Schweinswal-Arten weltweit, von denen die bekannteste
Art, der Hafen- Schweinswal, auch vor den deutschen Küsten vorkommt.
Sichtungen von lebenden
Burmeister Schweinswalen in Chile sind höchst selten. Fast alle Informationen,
Beschreibungen und Fotos stammen von Totfunden und Beifang aus der Fischerei,
meist vor Nordchile und Peru.
In der letzten und auch
in gegenwärtigen Feldsaison haben wir jeweils im gleichen Gebiet nun
insgesamt sechs Sichtungen von Burmeister Schweinswalen gemacht und fotografisch
dokumentiert. |
Die Gruppengrösse schwankte
zwischen ein und vier Tieren, eines davon war ein Kalb.
Wiederholte Sichtungen im
gleichen Gebiet lassen darauf schliessen, dass sich die Burmeister Schweinswale
den Sommer über im gleichen Küstenabschnitt aufhalten. |
| Negative
Überraschung - Strandung |
| Im August 2002 wurde der
Küstenwache in Castro ein toter angespülter „Delfin“ gemeldet,
genau in einem Gebiet, in dem unsere Schweinswal-Sichtungen stattgefunden
hatten. Bevor dieser vermeintliche „Delfin“ entsorgt wurde, um die Einheimischen
vom Verzehr des Fleisches abzuhalten, wurden zum Glück einige Fotos
vom Kadaver gemacht. Der Verzehr von Delfinfleisch ist auf Chiloé
durchaus noch verbreitet, auch wenn es sich dabei fast immer um zufällig
in Fischernetzen gefangene oder tot aufgefundene Tiere handelt. Anhand
der Fotos, die mir freundlicherweise von der Küstenwache Castros zur
Verfügung gestellt wurden, konnte ich den vermeintlichen Delfin als
männlichen Burmeister Schweinswal identifizieren. Der Kadaver wies
deutliche Netzmarken am Kopf und den Flossen auf, und lässt auf Ertrinken
im Fischernetz schliessen. Neben der Aquakultur ist die küstennahe
Stellnetzfischerei von kleinen Fischerbooten die grösste Einkommensquelle
auf Chiloé. Berichte von beigefangenen Delfinen oder gar Schweinswalen
sind selten, da die Fischer zum einen nicht gerne von solchen Fängen
berichten (Delfinfang ist illegal in Chile) und zum anderen bis dato auch
kein offizielles Beifang-Registrierungs- oder Strandungsprogramm in Chile
existiert. |
| Negative
Überraschungen beim Leben und Forschen auf Chiloé |
| 1.) |
Das
Wetter Chiloés verdient, nicht nur im Reiseführer Chiles, ein
eigenes Kapitel. |
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Besonders in diesem Sommer
machte es seinem schlechten Ruf mit Regen und Sturm auch alle Ehre.
Die Sonne sahen wir diesen
Sommer an weniger als 14 Tagen, wenn man bei Temperaturen von 8-14 Grad
und einem Unwetter nach dem anderen überhaupt von Sommer sprechen
mag.
Leider hat die schlechte
Wetterlage unsere gegenwärtige Feldsaison stark beeinflusst, da Ausfahrten
nur bei relativ ruhiger See und guter Sicht unternommen werden können. |
| 2.) |
Diesen
Sommer kamen dann leider noch technische Probleme mit dem Aussenbord-Motor
unseres Schlauch- |
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bootes hinzu. Da unsere
Ausfahrten in entlegene Küstenregionen reichen, ist ein gut funktionierender
Aussenbordmotor die höchste Priorität. Für den nächsten
Sommer werden wir uns nach einem neuen Motor umsehen. |
| 3.) |
Das
wohl enttäuschendste Erlebnis war ein schwerer Diebstahl von
Ausrüstung und Filmen aus der Basis- |
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Unterkunft in Süd-Chiloé
durch einen chilenischen Besucher unseres Projektes, wobei neben teurer
Ausrüstung auch wichtige Daten (unentwickelte Fotos von Delfin-Finnen)
verloren gingen. Einen Monat später folgte dem Diebstahl dann leider
noch ein Einbruch ins Haus und der Verlust von weiterer Ausrüstung.
Als Lehre halten wir diesen Sommer Ausrüstung und Daten immer fest
unter Verschluss in eigens gesicherten Schränken.
Die Türe zu unserem
Haus und dem Delfin-Projekt ist jedoch trotz der menschlichen Enttäuschungen
auch weiterhin allen fremden Interessierten geöffnet. |
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| Aussichten
für die laufende Saison 2002/2003 |
| 1.) |
Wetter
(die chilotische Version) |
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Morgen wird es regnen, und
wenn es morgen nicht regnet, dann mit Sicherheit übermorgen. |
| 2.) |
Arbeitsplanung |
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Es stehen noch je ein flächendeckender
Besuch der zentral- und süd-chilotischen Studiengebiete aus.
Werden wir auch zum Ende
dieses Sommers wieder eine Abnahme der Sichtungen in Castro und eine veränderte
Raumnutzung der Delfine vor Quellon beobachten? Dabei stellt sich die besorgte
Frage, ob der alternde frisch reparierte Aussenbordmotor bis zum Ende der
Saison durchhält. |
| 3.) |
Unvorhergesehenes |
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Wenn sich das Muster der
beiden vergangenen Sommer fortsetzt, dann stehen uns immer noch weitere
unvorhergesehene (und hoffentlich nur gute) Überraschungen bevor. |
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| Pläne
für den nächsten Sommer 2003/2004
- Bereits jetzt ist der Arbeitsplan voll gefüllt |
| 1.) |
Die
grossflächige Habitatstudie zur Lebensraumaufteilung von
Chilenischen und Peale’s Delfinen soll |
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abgeschlossen
werden.
Stattdessen
werden wir uns auf die nun bekannten Habitate der Delfine beschränken
und möchten die täglichen Aufenthaltsorte der bereits identifizierten
Chilenischen Delfine und Peale’s Delfine im Detail untersuchen. |
| 2.) |
Wir
werden versuchen, bei jeder Ausfahrt möglichst alle Delfingruppen
zu fotografieren, um so Gruppenstabilität |
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und Wahl der Aufenthaltsorte
aller individuell kenntlichen Delfine in feiner zeitlicher und räumlicher
Auflösung zu untersuchen. Also statt der Frage: „Wie gross ist das
Aufenthaltsgebiet von z.B. „Nick“, einem ausgewachsenen Chilenischen Delfinweibchen,
während der Sommermonate?“ soll die Frage dann lauten: „Innerhalb
ihres bekannten Aufenthaltsgebietes, besucht „Nick“ jeden Tag die gleichen
Strandabschnitte oder zieht sie im gesamten bekannten Gebiet umher?“ |
| 3.) |
Die
bereits gesammelten Foto-Identifikationsdaten werden uns, nach abgeschlossener
Analyse, auch allgemeine |
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Aussagen zur Gruppenstabilität
und Vergesellschaftung der Delfine sowie die Ermittlung lokaler Bestandsgrössen
erlauben. Auch hier möchten wir die beobachteten Ergebnisse im Detail
näher untersuchen. Also statt der bisherigen Frage: „Bleibt „Nick“
in Gesellschaft der gleichen Delfine?“ wollen wir präzisieren: „Wie
lange bleibt Nick mit den gleichen Delfinen in einer Gruppe?“ Dies erlaubt
uns die Sozialstruktur der Delfine näher zu untersuchen. |
| 4.) |
Gleichzeitig
wollen wir auch mit einer akustischen Studie beginnen, bei der erstmalig
die Laute von Chilenischen |
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Delfinen, und auch von Peale’s
Delfinen, untersucht werden sollen. Neben Informationen über Kommunikation
und Nutzung von Echolot zur Nahrungssuche dient die akustische Charakterisierung
auch als Vorraussetzung für eine seit langem überfällige
Bestandserhebung im gesamten Süden Chiles. Chilenische Delfine sind
aufgrund ihres unscheinbaren Verhaltens und der uns jetzt bekannten Vorliebe
für extrem küstennahe Lebensräume sehr schwer mit traditionellen
visuellen Methoden der Linientransekte von grösseren Schiffen zu entdecken.
In den nächsten Jahren hoffen wir, die klassischen visuellen Linientransekte
mit akustischen „Lauschangriffen“ zu ergänzen, um so Defizite in die
Sichtungswahrscheinlichkeit zu korrigieren und endlich eine grossflächige
Bestandsschätzung für Chilenische Delfine (und andere Delfinarten
der Fjorde) durchführen zu können. Solche „kombinierten“ Bestandszählungen
sind bei Studien an Grosswalen bereits lange etabliert, sind aber in der
Delfinforschung noch sehr neu. |
| 5.) |
Unser
Team wird nächsten Sommer um zwei Diplomandinnen von verschiedenen
chilenischen Universitäten |
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bereichert werden, die diesen
Sommer bereits als freiwillige Helfer mitgearbeitet haben. Damit verfestigt
sich auch die wissenschaftliche Einbindung von Chilenen. Unser internationales
Projekt, was als deutsch-schottische Doktorarbeit begann, hat somit feste
Wurzeln in Chile geschlagen. |
| 6.) |
Auch
in Chile wollen wir die Umweltpädagogik, welche ja seit 1992
fester Bestandteil im Programm von |
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yaqu pacha in Ecuador
ist, voranbringen. Bereits in der laufenden Feldsaison haben wir mit Bildvorträgen
in den örtlichen Schulen begonnen. Die Vorträge über Delfine,
Artenvielfalt und Probleme des örtlichen Ökosystems wurden von
Schülern und Lehrern mit Begeisterung und grossem Interesse aufgenommen.
Dies spornt uns natürlich an, unsere Bemühungen in der Umwelterziehung
zu intensivieren. Hierbei möchte unser Team vor Ort in Chile auf die
langjährigen Erfahrungen und entwickelten Umweltpädagogik-Konzepte
von yaqu pacha zurückgreifen. |
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Wie Sie sehen, haben wir
noch viel vor...
und wir hoffen natürlich
weiterhin auf Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.
Viele Grüsse aus Chile,
Ihre
Sonja
Heinrich |
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