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Abschlussbericht 2002 - Populationsstudie der Buckelwale in Súa
Provinz Esmeraldas / Ecuador
von Patricia Brtnik, Dipl. Biologin, yaqu pacha 

Das Buckelwalprojekt in Sua - Provinz Atacames (Ecuador) wurde auch im dritten Jahr erfolgreich weitergeführt.
In Bezug auf die wissenschaftliche Evaluierung der Population konnten in diesem Jahr wichtige Daten gewonnen werden, die uns letztendlich erlauben eine fast genaue Populationsgrösse zu bestimmen.


Aktivitäten
Die Datenaufnahme im Feld erfolgte in der Zeit von 06.07. bis 24.09.2002. Ausfahrten wurden aus Sicherheitsgründen nur morgens unternommen, wenn das Meer noch ruhig war. Insgesamt wurden 3 Linientransekte gefahren.
Während dieser Transekten wurden Fotoaufnahmen von Fluken und Rückenfinnen für die Foto-Identifikation gemacht, sowie Daten über Gruppengrösse, Gruppenzusammensetzung, Verhalten und Einfluss des Tourismus auf die Tiere registriert.
Mit Hilfe des GPS (Globales Positions System, siehe linkes Foto) konnte die genaue Position der Tiere bestimmt werden womit Daten für die Habitatnutzung gewonnen wurden.
Das Vorkommen von Buckelwalen wird anhand der gesichteten Tiere pro Stunde gemessen.
Die meisten Wale wurden im Juli zu Saisonbeginn gesichtet.

Ergebnisse
Vorkommen von Walen (Abundance)
Die Sichtungen nahmen dann zum Ende der Saison im September ab.
Ein Vergleich der Daten von 2002 mit denen aus dem vorigen Jahr zeigt, dass in diesem Jahr mehr Wale pro Stunde gesichtet wurden. Interessant war auch die Beobachtung, dass dieses Jahr die Anzahl der Sichtungen zum Sept. hin abnahm, hingegen konnte letztes Jahr im selben Zeitraum eine Zunahme festgestellt werden. Mütter mit Kälbern wurden wie bereits im vorigen Jahr gegen Ende der Saison beobachtet, wobei dieses Jahr mehr Kälber registriert wurden als im Jahr 2001. Abgesehen von den 2 Wochen zwischen dem 23.07. und 05.08.2002, in denen keine Kälber gesichtet wurden, hielt sich die Anzahl der Sichtungen zwischen min. 2,6 und max. 3,1 Kälbern pro Stunde, wobei das Maximum im September erreicht wurde.

Gruppengrösse
Die Gruppengrösse schwankte innerhalb des Beobachtungszeitraumes zwischen einem Minimum von 1,9 und einem Maximum von 2,3 Individuen pro Gruppe und pro Stunde.
Die meisten Wale wurde in einer Zweierkonstellation angetroffen (45%), Einzeltiere machten 35% der Sichtungen aus. Gruppen mit 3 oder mehr Tieren wurden nur selten angetroffen (20%). Grössere Gruppen wurden vor allem Anfang Juli und Ende August gebildet.
In der zweiwöchigen Periode zwischen dem 20.08 und 02.09.2002 konnte man hauptsächlich Einzeltiere oder Gruppen von 3 und mehr Tieren beobachten. 
49% der Gruppen in denen Kälber vorkamen bestanden nur aus Mutter und Kalb. Bei 30% der Gruppen wurden Mutter und Kalb von einem weiteren Erwachsenen Tier begleitet. Grössere Gruppen, z.B. Mutter mit Kalb und weiteren Tieren wurden bei 21% der Sichtungen beobachtet. Gegen Ende der Beobachtungszeit (03.09.-17.09.2002) betrug deren Anteil jedoch 66.6%. Dieser Anstieg in der Anzahl von Individuen der Gruppengrösse zeigt, dass sich diese grösseren Tiergruppen (Mutter, Kalb und weitere Tiere) hauptsächlich gegen Ende der Saison bilden um gemeinsam die weite Reise in die Nahrungsgründe (Südhalbkugel) anzutreten.

Verhalten
Der prozentuale Anteil vom Verhaltenselement Schwimmen lag bei 54,6%, während in 45,4 % der Zeit die Wale Fortpflanzungsverhalten zeigten. Bei Gruppen mit Kälbern.
Das Fortpflanzungsverhalten wurde in zwei Elemente unterteilt, Aktivitäten an der Oberfläche und Konkurrenzkämpfe. Weiterhin konnte beobachtet werden, dass der prozentuale Anteil dieser beiden Elemente von der Gruppengrösse abhängig war. Bei grösseren Gruppen wurden vor allem Konkurrenzkämpfe beobachtet.

Einfluss des Tourismus
34,4% der beobachteten Wale änderten ihre Schwimmrichtung oder ihr Verhalten aufgrund der Anwesenheit von Booten. Bei Gruppen mit Kälbern lag der Anteil bei 42,3%, wobei bei Gruppen aus Erwachsenen Tieren der Anteil geringer war (32%). Weiterhin war ein negativer Effekt der Boote auf das Verhalten der Wale zu erkennen. Dieser Einfluss steigt, wenn sich 3 Boote in der Nähe der Wale aufhielten. Mehr als die Hälfte (52,9%) der Tiere änderten ihre Verhaltensweisen bei 3 Booten, wohingegen nur 33,9% und 28,6% der Tiere ihr Verhalten änderten wenn 1 oder 2 Boote in ihrer Nähe waren.

Strandungen
Auch in diesem Jahr kam es wieder zu mehreren Strandungen von Buckelwalen. In der Provinz Esmeraldas kam es zur Strandung eines Buckelwal-Kalbes. In den Provinzen Manabí und Guayas kam es zu 5 weiteren Strandungen, darunter war auch ein Muttertier mit Kalb. Die Ursachen sind nicht 100%ig geklärt, jedoch deutet alles darauf hin, dass Verletzungen durch Fischerei-Netze der Grund für die Strandungen waren. 
Während der Walsaison wurde 2002 im Süden Ecuadors ein Marine-Manöver durchgeführt und wir nehmen an, dass auch 2 bis 3 Wale durch diese Übungen getötet wurden.

Zusammenfassung
Die Forschungsarbeiten verliefen in diesem Jahr aufgrund eines dreiwöchigen Streikes leider nicht immer zufriedenstellend. Aufgrund der fehlenden Touristen, wurde der Walbeobachtungstourismus eingestellt und wir hatten vorübergehend keine Boote zur Verfügung. Boote für unsere Forschungsarbeit zu chartern war zu dieser Zeit unmöglich, da die Treibstoffversorgung ebenfalls vom Streik betroffen war. Durch diese Lücke in der Datenaufnahme sind leider einige Daten nicht kontinuierlich und der Vergleich der Daten zum Jahr 2001 nicht so aussagekräftig.Das sicherlich erfreulichste Ergebnis in diesem Jahr war die hohe Anzahl der Sichtungen (4,1 Wale pro Stunde) im Vergleich zum Vorjahr (2,6 Wale pro Stunde).
Im Jahr 2002 wurden insgesamt 53 Tiere anhand ihrer Fluken identifiziert. Momentan werden die diesjährigen identifizierten Fluken und Finnen mit denen der Vorjahre verglichen.
Erst dann ist man in der Lage eine Populationsschätzungen durchzuführen.

Herzliche Grüsse aus Ecuador und vielen Dank für Ihr Interesse

Ihre Patricia Brtnik

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