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ABSCHLUSSBERICHT 2001
Buckelwalprojekt Esmeraldas

von Patricia Brtnik - Dipl. Biologin - yaqu pacha

RÜCKBLICK
Im Jahr 2000 wurde das Buckelwalprojekt an die Nordküste Ecuadors ausgeweitet. Dies war nicht nur in Hinsicht auf die Erforschung der Habitatnutzung der Tiere sehr interessant. Es eröffnete auch für yaqu pacha die Möglichkeit, den dort entstehenden whale-watching Tourismus von Beginn an zu kontrollieren und für die in Walbeobachtung noch völlig unerfahrenen Fischer von Súa (Esmeraldas), Fortbildungskurse und Seminare zu geben. Durch diese Kurse und den Einfluss von yaqu pacha war es möglich, nicht nur die Fischer für ein ökologisches und kontrolliertes whale-watching zu begeistern. Auch die Kantonsverwaltung und die Marine interessierten sich sehr für die whale-watching Problematik.

BUCKELWALPROJEKT SÚA, ESMERALDAS 2001

AKTIVITÄTEN
Forschung
Die Datenaufnahme im Feld erfolgte von Mitte Juni bis Mitte September. Nach Möglichkeit fuhren wir jeden Tag mit den Touristenbooten raus, um die Datenaufnahme durchzuführen. Da der Bekanntheitsgrad von Súa (Esmeraldas) für den whale-watching Tourismus, im Vergleich zu Puerto Lopez (Machalilla), noch relativ gering ist, war die Datenaufnahme sehr abhängig von der Anzahl der Touristen. Da wir 2 Kameras zur Verfügung hatten, war es jedoch auch möglich auf zwei verschiedenen Booten zu den Walen zu fahren. Es wurden Aufnahmen der Fluken und Rückenfinnen für die Foto-Identifikation gemacht und Daten über Gruppenzusammensetzung und Verhalten gesammelt. Mit Hilfe eines GPS konnten wir die genauen Positionen der Tiere für die Habitatnutzung ermitteln.
Seminare und Fortbildungen
Die im Jahr 2000 begonnenen Seminar- und Fortbildungsreihen für die Kapitäne über die Ökologie der Wale und über das whale-watching wurde in dieser Saison weitergeführt. Das von mir vorbereitete Seminar mit dem Thema: Introducción a la biología y comportamiento de la ballena jorobada, (Einführung in die Biologie und das Verhalten der Buckelwale) das bereits für Februar 2001 geplant war und aus terminlichen Gründen verschoben werden musste, wurde dann zusammen mit dem von Cesar Alberto Yumiseva (yaqu pacha) vorbereiteten Seminar mit dem Thema: Cetáceos en Ecuador (Wale und Delfine in Ecuador) im Juni von ihm gehalten. Die Teilnahme an diesen Seminaren war Voraussetzung für die Kapitäne, um die Erlaubnis zur Führung eines whale-watching Bootes zu erhalten.
Asociación Aventuras del Mar
Die Fischer aus Súa und dem Kanton Atacames schlossen sich zu einer Vereinigung (Asociación Aventuras del Mar) zusammen, um mit Touristen arbeiten zu können. yaqu pacha half aktiv an deren Aufbau mit und wir unterstützten sie mit unserem Fachwissen bei der Ausbildung der Kapitäne. Des weiteren erklärten wir den Touristen die Ökologie der Buckelwale und die Arbeit von yaqu pacha. Die Asociación verpflichtete sich eine Abgabe an yaqu pacha zu leisten damit wir weitere Seminare abhalten können und unsere Forschungsarbeit fortführen können.
Regulierung des whale-watching
Durch Verhandlungen mit der “Asociación Aventuras del Mar”, der Kantonsverwaltung sowie der Marine, die im Jahr 2000 begonnen haben und 2001 intensiviert und konkretisiert werden konnten, war es möglich eine interne Regulierung der whale-watching Aktivitäten zu erreichen. Auch wenn keine Gesetze erlassen wurden war es möglich, Absprachen bezüglich der Zahl der pro Tag operierenden Boote und der Qualifizierung der Kapitäne zu treffen. Die "Asociación Aventuras del Mar" war die einzige mit der offiziellen Erlaubnis des Umwelt- und Tourismusministerium, whale-watching Tourismus zu betreiben. Personen die ohne die Erlaubnis und ohne Schulung von yaqu pacha operierten, oder sich nicht an die Regeln des whale-watching hielten, wurden von der Marine mit einer Strafe belegt. Inzwischen zeigt auch das Umwelt- und Tourismusministerium grosses Interesse daran eine nationale Regulierung zu finden.
1. Festival de la ballena in Súa
Am 29. Juni 2001 fand das erste "Festival de la ballena" (Wal-Festival) in Súa statt. Da ich erst kurz zuvor in Súa eintraf, konnten wir nur bei den allerletzten Vorbereitung mithelfen und verhindern, dass der ganze Event als Werbung für den Tourismus aufgezogen wurde und ein paar ökologische Aspekte mit einbringen. Das ganze war mehr oder weniger ein Chaos und noch bevor alle Redner (auch yaqu pacha) zu Wort kamen, stürmten die Gäste bereits die Boote um zu den Walen zu fahren.
yaqu pacha baut ein Meeresschutz- und Forschungszentrum mit Unterstützung der UN
Im Jahr 2000 hatte yaqu pacha, allen voran die Koordinatorin von yaqu pacha-Ecuador, Dr. Judith Denkinger, die Idee, ein Meeresschutz- und Forschungszentrum mit Museum in Súa zu bauen. Mit Hilfe von Projektgeldern von den Vereinten Nationen kann dieses Gemeinschaftsprojekt von yaqu pacha und der "Asociación Aventuras del Mar“ nun tatsächlich verwirklicht werden! Die Kantonsverwaltung von Atacames stellt dafür ausserdem den Bauplatz in Súa zur Verfügung. In unzähligen Sitzungen wurden die Mitglieder darauf vorbereitet und Teile des Projektes, wie aktiver Umweltschutz und Umwelterziehung, erklärt und diskutiert. Im August 2001 war ein Gutachter der Vereinten Nationen zu Besuch um das Projekt zu begutachten, im Dezember 2001 erhielten wir die Zusage über 50.000 US$ und im Februar dieses Jahres wurde der Grundstein für das Meeresschutz- und Forschungszentrum in Súa gelegt!
Finanzierung
Das Buckelwalprojekt in Súa konnte durch eine Co-Finanzierung (5000 US$) der Provinzverwaltung von Esmeraldas (Consejo Provincial de Esmeraldas) auch im Jahr 2001 erfolgreich durchgeführt werden.
Mitarbeiter
Insgesamt waren 3 Praktikantinnen in Súa beschäftigt. Drea Chowanietz (yaqu pacha) arbeitete von Juni 2001 bis Januar 2002 für dieses Projekt. Von Juni bis September arbeitete sie im Feld bei der Datenaufnahme und von Oktober bis Januar half sie bei der Datenauswertung und beim Scannen der Dias. Sie war eine ausgesprochene gute und unerlässliche Hilfe, die völlig selbständig arbeiten konnte und ohne deren Mitarbeit das Projekt in dieser Form nicht möglich gewesen wäre. Zusammen mit Lotta von Kutzleben, die im Juni als Praktikantin tätig war, startete in meiner Abwesenheit die Feldsaison im Juni. Alexandra Hoffmann, eine Biologiestudentin aus Deutschland war für 2 Monate für yaqu pacha tätig. Sie half bei der Datenaufnahme im Feld und bei der Datenauswertung in Quito und arbeitete ebenfalls ausgesprochen gut und selbständig.
Logistik
Durch die schon im Vorjahr ausgehandelten Absprachen, war es uns auch in diesem Jahr möglich, die whale-watching Boote (kleine einmotorige Fischerboote) für die Datenaufnahme zu nutzen. Die wichtigste Basis war der Katamaran von Aurelio, der die besten Voraussetzungen hat, um gute Bilder und Daten aufnehmen zu können. Als Unterkunft wurde das Hotel Shaman in Súa genutzt, dessen Besitzer und Verwalter von der Arbeit von yaqu pacha sehr begeistert sind und uns im Preis und in der Nutzung des Hotels sehr entgegen kamen.

 
ERGEBNISSE
Forschung
Tabelle 1: Gesamtdaten Überblick
Datenerhebung
Zeitraum
11.06. - 17.09.2001
Tage
61
Ausfahrten
65
Sichtungen
249
Effort
201h
# der Tiere
532
Adulte
504
Kälber
28
Wale/Std.
2,6
min
0,0
max
6,3
SD
1,43
Kälber/Std.
0,3
min
0,0
max
1,4
SD
0,40
Tabelle 2: Überblick Gruppengrösse
 
MW
SD
Range
# Tiere
Juni
3
1,93
1 - 8
45
Juli
1,9
1,24
1 - 10
243
August
2
1,19
1 - 6
157
September
2,3
1,16
1 - 5
87
gesamt
2,1
2,18
1 - 10
532
Abb.1: Monatliche Verteilung der Gruppengrösse
Tabelle 3: Prozentuale Verteilung der Gruppengrössen
Prozentuale Verteilung der Gruppengrösse
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Juni
6,7
13,3
20,0
26,7
33,3
40,0
46,7
53,3
0,0
0,0
Juli
5,3
10,7
16,0
21,3
26,7
32,0
37,3
42,7
0,0
0,0
August
6,9
13,9
20,8
27,7
34,6
41,6
0,0
0,0
0,0
0,0
September
18,2
36,5
54,7
72,9
91,1
0,0
0,0
0,0
0,0
0,0
gesamt
34,9
42,4
13,3
3,5
2,7
2,4
0,0
0,4
0,0
0,4
Abb.2: Prozentuale Verteilung der Gruppengrösse
Abb. 3: Saisonale Veränderung der Gruppengrösse
Tabelle 4: Übersicht Kälber
# Sichtungen
28
August
15
September
13
Gruppengrösse
2,7
August
2,6
September
2,9
Abundance
0,29 K/h

 
ABUNDANCE (Häufigkeit der Sichtungen)
Saisonaler Überblick
Saison
Stunden
Wale
W/Std
min
max
SD
11.6.-24.6.
23
42
1,8
0,3
2,7
0,97
25.6.-8.7.
27
62
2,3
0,5
5,8
1,63
9.7.-22.7.
38
135
3,6
1,4
8,0
1,8
23.7.-5.8.
26
63
2,4
1,3
5,0
1,17
6.8.-19.8.
33
69
2,1
0,0
4,0
1,37
20.8.-2.9.
24
79
3,3
0,9
4,7
1,23
3.9.-17.9.
29
82
2,8
1,1
6,3
1,7
Abb.4: Saisonale Veränderung der Abundance
Überblick: saisonale Abundance von Kälbern
Datum
Stunden
Kälber
K/Std
min
max
SD
23.7-5.8.
26
2
0,08
0,0
0,4
0,20
6.8-19.8
33
4
0,12
0,0
0,4
0,14
20.8-2.9.
24
9
0,37
0,0
1,4
0,58
3.9-17.9
29
13
0,44
0,0
1,3
0,34
Abb.5: Saisonale Abundance von Kälbern
Vergleich: Esmeraldas / Machalilla
Wale/Stunde
Effort (Std)
Esmeraldas
2,6
201
Machalilla
2,4
240
Abb.6: Vergleich der Abundance Esmeraldas (Esm) und Machalilla (PNM)
Abb.7: Saisonaler Vergleich der Abundance Esmeraldas (Esm) und Machalilla (PNM)
Vergleich: Kälber
Kalb/Stunde
Effort (Std)
Esmeraldas
0,31
91
Machalilla
0,15
123
Abb.8: Vergleich der Abundance von Kälbern Esmeraldas (Esm) und Machalilla (PNM)
Abb. 9: Saisonaler Vergleich der Abundance von Kälbern Esmeraldas (Esm) und Machalilla (PNM)

 
 
STRANDUNGEN

In der Provinz Esmeraldas kam es in dieser Saison zu 2 Strandungen von Buckelwalen und 3 Strandungen von Delfinen. Die Strandungen ereigneten sich alle in Súa. Der Strandungsgrund war unbekannt.

Ein Buckelwalkalb strandete in der Nähe von Muisne. Als uns die Nachricht erreichte, konnten wir nur noch ein paar Knochen sichern. Beschreibungen der Bewohner lassen jedoch keine Zweifel daran, dass es sich um ein Buckelwalkalb handelte. Die 2. Strandung ereignete sich in Punta Galera, einem kleinen Fischerdorf in der Nähe von Súa. Dabei handelte es sich um einen ein- oder zweijährigen männlichen Buckelwal. Der Strandungsgrund war eindeutig Tod in einem Fischernetz. Die Bewohner dieses Ortes machten uns leider sehr grosse Probleme, als wir das Tier begutachten und fotografieren wollten. Sie verlangten Geld von uns, damit wir das Tier sehen durften
(der Preis stieg bis zu 1000 US$). Als ich mich darauf nicht einliess und schliesslich die Erlaubnis des zweiten Ortsvorstehers hatte, ersuchte ich an den Strand zu fahren (mit einem Fischerboot von Súa). Wir wurden dann von zwei Booten angegriffen, die uns hinderten anzulegen und versuchten, unser Boot zum Kentern zu bringen.
Erst als ich am nächsten Tag in der Begleitung der Marine kam, konnten wir das tote Tier sehen und fotografieren.
Meine Bemühungen, die Angreifer von der Marine verhaften zu lassen, blieben leider ohne Erfolg.
Dieser traurige und erschreckende Vorfall zeigt, dass es unbedingt erforderlich ist, in diesem Gebiet mit Umwelterziehung zu beginnen.

 
BEURTEILUNG
Forschung
Die Forschungsarbeiten an Buckelwalen in Súa (Esmeraldas) waren in Anbetracht unserer Mittel sehr zufriedenstellend. Es hat sich klar herausgestellt, dass auch der Küstenabschnitt im Kanton Atacames als Reproduktionsgebiet genützt wird. Berichte von Buckelwalsichtungen an den verschiedensten Orten entlang der gesamten ecuadorianischen Küste zeigen, dass vermutlich der gesamte Küstenabschnitt als Reproduktionsgebiet genützt wird. Erste Vergleiche der Vorkommen von Kälbern (gesichtete Wale pro gesuchte Stunde), mit den Ergebnissen der Daten, die von Maria José Barragan (yaqu pacha) in Puerto Lopez (Machalilla) aufgenommen wurden, zeigen, dass sich tendenziell mehr Kälber vor der Küste in Esmeraldas aufhalten. Dies geschieht jedoch mit einer saisonalen Abhängigkeit. Die erste Sichtung eines Kalbes in Puerto Lopez (Machalilla) war am 4. Juli, wohingegen die erste Kalbsichtung in Súa (Esmeraldas) erst am 4. August, zu verzeichnen war. Im August nahm das Vorkommen von Kälbern in Súa dann zu, wohingegen sie in Puerto Lopez abnahm. Interessant ist nun die Frage, ob diese Verschiebung im Zusammenhang mit dem whale-watching Tourismus steht oder ob die Buckelwale spezielle Aufzuchtsgebiete nutzen. Interessant ist diese Frage auch in Hinblick auf eine Einrichtung eines Schutzgebietes für Buckelwale, speziell für Weibchen mit Kälbern. Dies wurde inzwischen auch schon mit dem Umweltministerium diskutiert. Dazu sind allerdings noch weitere und speziellere Daten und Untersuchungen nötig.
Der Vergleich des Vorkommens von sämtlichen Buckelwalen (Adulttiere und Kälber) von Súa und Puerto Lopez zeigen, wie auch schon bei den Kälbern, eine höhere Zahl von Tieren in Súa als in Puerto Lopez und auch hier, eine saisonale Verschiebung. Insgesamt haben wir ca. 100 Fluken, die für die Photo-Identifikation genützt werden können. In diesem Jahr haben wir begonnen auch die Rückenfinnen zur Identifizierung und zur Populationsschätzung heranzuziehen. Die Auswertung für die Populationsschätzung ist zum momentanen Zeitpunkt noch im Gange.
Die Daten über die Habitatnutzung befinden sich momentan noch in der Auswertung. Mein erster subjektiver Eindruck ist, dass sich die Tiere in Súa näher an der Küste aufhalten. Súa ist als Forschungs-Standpunkt sehr gut, vor allem in der nächsten Saison in Zusammenarbeit mit unserem "Centro de Conservación Marina" (Meeresschutz- und Forschungszentrum). So kann Forschung direkt mit der Umwelterziehung verbunden werden. Die Ergebnisse werden dort ausgestellt und die Fischer und Besucher bekommen einen direkten Einblick in unsere Forschungsarbeiten und haben somit auch einen besseren Überblick, was vor ihrer Tür passiert und warum es Regeln beim whale watching zu beachten gibt. Ein negativer Punkt ist die Logistik in Hinblick auf die Erforschung der Habitatnutzung. Mit den einmotorigen Fischerbooten ist es leider nur möglich am Morgen für ca. 3 Stunden Wale zu beobachten.
Fluke mit individueller Zeichnung
Rückenfinne
Um die Kosten zu senken, werden auch keine allzu grossen Strecken zurückgelegt um Wale zu suchen. Mit Aurelio und dem Katamaran ist für die nächste Saison geplant, Transekte zu fahren, die von den Touristen bezahlt werden. Da sein Boot grösser und stabiler ist, ist es möglich bis zum Nachmittag, wenn die Wellen für die kleinen Booten zu hoch sind, nach Walen Ausschau zu halten und Daten zu sammeln.
Whale watching
In diesem Jahr haben wir grosse Fortschritte gemacht, was die Reglementierung des whale watching und die Schulung von Kapitänen betrifft. Die Fischer waren sehr an unseren Seminaren und Kursen interessiert. Die Regeln des whale watching wurden im allgemeinen strikt eingehalten und fast alle zeigten ein äussert gutes Fahrverhalten und wollten auch während den Fahrten ständig Neues über die Wale und ihr jeweiliges Verhalten wissen. Zum Teil gaben sie selbst den Touristen Erklärungen zu den Walen ab. Es entstand auch eine interne Kontrolle. Kapitäne achteten darauf wie sich die anderen verhielten und jeder Verstoss gegen die Regeln wurde mir gemeldet. Leider gab es auch sehr viel Neid und Streitereien mit handfesten Auseinandersetzungen zwischen Fischern der Asociación und Fischern die nicht organisiert sind. Es gab viele "Piraten", die ohne Erlaubnis des Ministeriums und ohne Schulungen Touristen auf Walbeobachtungstouren mitnahmen. Dies wird in der Zukunft ein grosses Problem werden. An sämtlichen Küstenabschnitten wird nun whale-watching angeboten. In diesem Jahr hielt sich diese Zahl noch in Grenzen, aber die Tendenz ist steigend. Das Umwelt- und Tourismusministerium, schaltet sich nun aber endlich ein. In diesem Jahr gab es den ersten Erlass, in dem spezielle Häfen, von denen aus whale watching betrieben werden darf, ausgezeichnet wurden. Des weiteren braucht man nun eine ministerielle Erlaubnis. Es ist auch im Gespräch die Kurse für das whale-watching auszuweiten. In diesem Jahr, konnte ich eine offizielle Schulung für das Umweltministerium in Bahía geben. Patricio Tamaris, vom Umweltministerium in Guayaquil, zeigte sich in einem Gespräch mit mir sehr daran interessiert, auch in Zukunft Biologen von yaqu pacha für diese Schulungen einzusetzen. Er wird einen Kostenvorschlag dazu einreichen. Maria José Barragan und ich hatten auch eine Unterredung im Umweltministerium in Quito hinsichtlich der whale-watching Problematik. Sie zeigen grosses Interesse eine Regulierung und Gesetze zu schaffen. Ein erster Vorschlag wurde von uns eingereicht. Eine Besprechung im Dezember wurde leider verschoben und bis zum heutigen Tag konnten wir noch keinen neuen Termin mit ihnen finden. Bisher können sich die Ministerien leider auch noch nicht einigen in welchen Aufgabenbereich dies fällt. Ministerium für Umwelt und Tourismus oder Verteidigung (Marine). Abschliessend kann man jedoch sagen, dass zumindest ein grosser Schritt in die richtige Richtung getan ist. Die Ministerien zeigen Interesse für diese Problematik und versuchen Lösungen zu finden.
Strandungen
Die Anzahl der Strandungen und Sichtungen von Walen mit Netzen ist sehr besorgniserregend. In den letzten Jahren wurde nie von Strandungen berichtet und in diesem Jahr stieg die Zahl auf 6 tote Wale und 5 Wale mit Resten von Netzen am Körper und Verletzungen an. Auch hinsichtlich dieser Problematik hatten Maria José Barragan und ich eine Unterredung im Umweltministerium, wo wir auch unseren Bericht hinterlassen haben. Die erste Reaktion lässt jedoch befürchten, dass es hinsichtlich dieses Problems äusserst schwierig sein wird eine Lösung zu finden.


ANDERE AKTIVITÄTEN
Schulung der whale watching Kapitäne für das Umweltministerium
Im Auftrag des Umweltministeriums konnte ich auch einen Fortbildungskurs für Kapitäne und Tourismusstudenten in Bahía geben. Dort ist für das nächste Jahr der Aufbau eines whale-watching Tourismus geplant.
Verhaltensbeobachtungen auf der Isla de la Plata
Das von mir, für meine Diplomarbeit begonnene Monitoring des Einflusses von whale-watching Booten auf das Verhalten der Wale, wurde in dieser Feldsaison, auf der Isla de la Plata weitergeführt. Mir standen 3 Studenten (2 ecuadorianische und 1 deutsche) für die Durchführung der Beobachtungen zur Verfügung. Von ursprünglich 3 geplanten Beobachtungswochen, konnten wir jedoch das Monitoring nur während einer Woche im August durchführen, da sich das Haus auf der Isla de la Plata im Umbau befand und somit keine Logistik vorhanden war. Die Daten befinden sich momentan noch in der Auswertung. Es ist jedoch aufgrund der geringen Datenanzahl fraglich, inwieweit diese genutzt werden können.
Expedition Ballenas libres
Von 19. September bis 9. Oktober konnte ich im Auftrag des CPPS (Comición Permanente del Pacífico Sur) an der Expedition "Ballenas libres" nach Galapagos teilnehmen. "Ballenas libres" ist ein Projekt peruanischer Journalisten und Fotografen, die in Zusammenarbeit mit Biologen, Umwelterziehung zum Thema Wale betreiben. Das Projekt wird vom CPPS und TIM (peruanische Telefongesellschaft) gesponsert. Unsere Forschungsarbeit wurde übers Internet verbreitet. Weiterhin  konnten sich Schüler via Satellitentelefon direkt mit uns in Verbindung setzen und Fragen zu Walen und Biologie stellen. Neben der WebSite werden demnächst Bücher und Videos von sämtlichen Expeditionen veröffentlicht.
Eine Reportage über unsere Reise wurde bereits im peruanischen Fernsehen ausgestrahlt. Für die Biologen ergibt sich die Möglichkeit, das Vorkommen sämtlicher Cetaceen im Südpazifik zu untersuchen, wobei der Schwerpunkt in der Untersuchung des Vorkommens von Pottwalen liegt.
Als feste Biologen sind Robert Clark und seine Frau Obla Paliza, zwei Pottwalexperten, eingestellt. Fernando Felix, ein ecuadorianischer Biologe und ich waren für die Expedition nach Galapagos eingeladen und es besteht die Aussicht an weiteren Exkursionen teilzunehmen. Es sind noch Transekte in Chile, Peru und Kolumbien geplant.
Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass es zu keiner Pottwalsichtung kam, weder in Galapagos noch bei den ersten zwei Expeditionen in peruanischen Gewässern. Robert Clark hat jedoch in früheren Jahren in diesen Breitengraden Pottwale gesichtet und diese Gebiete bieten auch die optimalen Voraussetzungen für den Pottwal. 
Der Grund für das Verschwinden der Pottwale steht vermutlich in Zusammenhang mit der Überfischung der Riesenkalmare, der vermutlich einzigen Nahrung der Pottwale. Robert Clark und Obla Paliza versuchen schon seit Jahren die peruanische Regierung auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Bisher leider ohne Erfolg.
Durch diese Expeditionen und die Veröffentlichung der dabei gewonnenen Daten erhofft man, eine Regulierung der Fischerei zu erreichen. Infos zu "Ballenas libres" finden Sie unter www.biosfera.com.pe
Gruppenbild v.l.n.r.: Igor Asheshov (Produzent), Patricia Brtnik (Biologin),
Robert Clark (Biologe), Juan Subauste (TV-Reporter),
Javier Modenesi (Assistent), Fotos: Alejandro Balaquer 
Vielen Dank für Ihr Interesse!

Ihre

Patricia Brtnik

Im yaqu pacha-Büro bei der Auswertung.

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