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Alarmzustand im Meer - Wale und Delfine in Gefahr

War das Meer einst Symbol für Weite, Sauberkeit und Stille, so ist es heute aufgrund menschlichen Zutuns alles andere als rein und ruhig.

Häufig werden der Walfang und die unkontrollierte Fischerei-Industrie als grösste Gefahren für Wale und Delfine angesehen, doch geht von der Vielfalt der chemischen und akustischen Belastungen der Meere eine unvorhersehbare Bedrohung aus. Während durch den Walfang getötete Tiere und Beifänge gezählt werden können, ist das Ausmass einer durch Lärmbelästigung und Chemikalien bedingten Verschmutzung der Gewässer nicht einfach zu erfassen. Die Anzahl von Massenstrandungen hat jedoch drastisch zugenommen und bei vielen Tieren wurden erhöhte Konzentrationen von toxischen Chemikalien festgestellt, die womöglich die Ursache ihres qualvollen Todes waren. Dabei waren es hauptsächlich hohe Konzentrationen von Schwermetallen und halogenierten Kohlenwasserstoffen (z.B. DDT und PCB) die nachgewiesen wurden. Auch die Zunahme von Lärm wie z.B. durch Bohrinseln, ''Airguns'', militärische Echolote ( LFAS ) und Schiffsverkehr hat negative Auswirkungen auf die Meeresbewohner, die sich durch Stress und Verhaltensänderungen bis hin zu Organschäden bemerkbar machen und letztendlich zum Tode führen können. 

Alarmzustand im Meer
Leitthema unserer Benefizveranstaltung 2002
Woher kommt die Verschmutzung?
Chemische Kontamination (über Wasser und Luft):
- Abwasser
- Industrie-Abfallprodukte
- Ölindustrie
- Landwirtschaft (Düngemittel und Pestizide)
- Farben (z.B. TBT: Tributylzinnverbindungen)

Akustische Kontamination:
- Schiffsverkehr
- Bohrinseln
- Windkraftwerke
- ''Airguns''
- Militärische Übungen (Torpedos, Explosionen, usw.)
- Echolot (LFAS)
- Projekt ATOC (Messung von Temperaturschwankungen des Wassers durch Änderungen in der
  Schallübertragungsgeschwindigkeit)

Weitere Gefahren:
- Saurer Regen
- Globale Erwärmung
- Unkontrollierter Wal- und Delfintourismus

Meeresverschmutzung durch toxische Chemikalien
Die in den vergangenen Jahren so hoch gepriesene industrielle Entwicklung hat nicht nur Gutes bewirkt. Im Gegenteil, denn besonders für Tiere und Pflanzen haben industrielle Fortschritte oft katastrophale Folgen. So zum Beispiel die vermehrte Nutzung von synthetischen Chemikalien bei der Herstellung von Weichmachern (bei PVC), Farben und Pestiziden. Obwohl die Dynamik und Toxikologie dieser Stoffe im tierischen Gewebe erst seit wenigen Jahren Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien ist, sind einige Erkenntnisse bereits heute äusserst besorgniserregend.

So hat man zum Beispiel im Körper von vielen gestrandeten Cetaceen (Wale und Delfine) hohe Konzentrationen von halogenierten Kohlenwasserstoffen gemessen. Da diese Stoffe extrem fettlöslich sind, werden sie im Fettgewebe der Tiere eingelagert und dringen bei der Milchproduktion oder beim Verbrauch von Fettreserven zur Erzeugung von Energie in den Körper. Besonders in diesen Phasen, aber auch in einem durch Dauerstress geschwächten Körper, können diese Stoffe eine giftige Wirkung auf das Tier ausüben, die in einigen Fällen mit dem Tod endet.
Besonders betroffen sind Cetaceenarten, die sich am Ende der Nahrungskette befinden.
Da zwischen den einzelnen Stufen der Nahrungskette die Konzentration der Giftstoffe um das 10 - 20 fache ansteigen kann, erfahren die Endglieder die Giftwirkungen besonders stark.

Polychlorierte Byphenile ( PCB's ) sind die bekanntesten Giftstoffe und man geht davon aus, dass die hohe Sterberate von Kälbern bei erstgebärendenden Müttern ( bis zu 65 % ! ) auf eine zu hohe Anhäufung von PCB in der Muttermilch zurückzuführen ist. Bei männlichen Tieren führen hohe Konzentrationen zu einer Immunschwäche und zu einer verminderten Fruchtbarkeit.

FALL 1: Orcas verenden an der kanadischen Pazifikküste.

Immer mehr Orcas sterben um Vancouver Island. Seit 1995 sind 35 Tiere gestorben und nur 14 Kälber wurden geboren. Allein im Winter 2001 hat der ''Pod'' von insgesamt 78 Tieren, den Verlust von 7 Individuen verzeichnet. 
Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Faktoren das Sterben der Orcas verursachen. Hauptgrund sei aber die hohe Konzentration von PCB, die durch die Nahrungskette aufgenommen wird.
Diese Orcas gehören zu den sogenannten „Transients“, d.h. diese Tiere wandern und ernähren sich hauptsächlich von anderen Meeressäugetieren wie z.B. Robben und Delfinen und befinden sich somit am Ende der Nahrungskette.
Einige Konzentrationen gehören zu den Höchsten, die je in Geweben eines Säugetieres festgestellt wurden. PCB-Gehalte von 410 ppm ( parts per million ) und DDT-Gehalte von 346 ppm wurde in ihrem Fettgewebe gemessen. Zum Vergleich: Der Grenzwert für rotes Fleisch, das für den menschlichen Verzehr bestimmt ist, liegt für PCB bei 3 ppm und jener für DDT in Fisch bei 5 ppm!

Fall 2: PCB schwächt das Immunsystem bei Schweinswalen.

Mit der Hilfe des ''Centre for Environment, Fisheries and Aquaculture Science'' in Essex haben Bennett und Jepson seit 1990 gestrandete Schweinswale untersucht. Der durchschnittliche PCB-Wert, den sie in 33 an Infektionskrankheiten gestorbenen Schweinswalen fanden, lag bei 31,1 Milligramm pro kg Körperfett.
Im Vergleich dazu fand man in 34 Schweinswalen, die nicht an solchen Krankheiten starben, sondern unter anderem in Fischerei-Netzen erstickt waren, einen wesentlich niedrigeren Wert, nämlich nur 13,6 Milligramm pro Kilogramm. Aufgrund dieser Ergebnisse kann man davon ausgehen, dass PCB Meeressäuger auf fatale Weise schwächt.

Meeresverschmutzung durch Plastik & Styropor
Nicht nur Umweltgifte, sondern auch Kunststoffteile aus Plastik und Styropor stellen eine grosse Gefahr für Delfine und Wale dar. Immer wieder werden diese in den Mägen der Tiere festgestellt. Sie können nicht verdaut werden, führen also somit zu einer schlechteren Nahrungsaufnahme der Tiere und schliesslich zum Tod.

Wale als Sondermüll?
Aufgrund der extrem hohen Konzentrationen an PCB, DDT und Quecksilber müsste, wenn es nach europäischen Richtlinien ginge, manches Walfleisch und -Fett als ''gefährlicher Abfall'' entsorgt werden.
Nicht nur für die Wale und Delfine stellen solche hohen Werte ein unkalkulierbares Risiko dar, sondern auch für die Menschen, die sich von diesem Fleisch ernähren. Die Grenzwerte, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Gifte festgelegt werden, werden häufig um ein Vielfaches überschritten.

In Japan haben bereits besorgte Verbraucher und verschiedene Anti-Walfangorganisationen die Regierung gebeten, den Import von Walfleisch zu verbieten, da Bedenken bezüglich der menschlichen Gesundheit bestünden.
Auch die dänische Regierung hat die Bewohner der Faroer Inseln vor dem regelmässigen Verzehr von Walfleisch gewarnt, da dieses durch die Verseuchung der Meere bereits sehr stark mit Quecksilber kontaminiert ist.
Die Grenzwerte der krebserregenden und auf Dauer tödlichen Quecksilber-Belastungen der Meeressäuger werden um das 200-fache überschritten. Für Schwangere wird vom Verzehr des Walfleisches generell abgeraten.

Eine im Jahre 1998 veröffentlichte Studie zeigt, dass die durchschnittliche Belastung an PCB in Walspeck von Minkwalen 3,8 ppm betrug. Die höchste gemessene Konzentration lag bei 20,8 ppm. Die höchste Konzentration von PCB in Meeresprodukten, die in Japan vermarktet werden dürfen, beträgt jedoch ''nur'' 0,5 ppm.

Mittlerweile wird spekuliert, dass die Entsorgung der verseuchten Walprodukte ins Meer eine potentielle Gefährdung der Umwelt darstellt, da diese die menschliche Gesundheit gefährden. 

Hohe PCB Konzentrationen im Fett - ein positiver Nebeneffekt
So widerspruchsvoll es auch klingen mag, dank industrieller Gifte, die die Meere und ihre Bewohner verseucht haben, werden Wale und Delfine profitieren! Denn ihr Fleisch ist dadurch für den Menschen lebensbedrohlich geworden. 

Die Meere werden immer lauter! - Die Wale immer weniger!
Es ist allgemein bekannt, dass Schall im Wasser fünf mal schneller als in der Luft übertragen wird. Daher verläuft die Kommunikation von Walen und Delfinen hauptsächlich entlang der akustischen Modalität.
Während Bartenwale besonders im tiefen Frequenzbereich gut hören, sind Zahnwale im oberen Frequenzbereich äusserst empfindlich.
Die in den letzten Jahrzehnten zunehmende Lärmentwicklung, die je nach Lärmquelle das gesamte Frequenz-Spektrum betrifft, kann für viele Meeresbewohner katastrophale Folgen haben.
An durch Schiffe erzeugten Lärm und andere regelmässig auftretende Geräusche können sich die Tiere meistens an einen bestimmten Geräuschpegel gewöhnen. Dies bedeutet jedoch zunächst einmal Stress. In fast allen Fällen reagieren die Tiere mit Flucht. Dazu verbrauchen sie viel Energie und ihre Fresszeiten werden kürzer. Häufig werden Verhaltensveränderungen registriert und in einigen Fällen verlassen die Tiere sogar ihr ursprüngliches Gebiet.
Noch bedrohlicher sind jedoch bestimmte Lärmquellen wie z.B. die ''Airguns'', die bei der so genannten Reflexions-Seismik auf der Suche nach Öl- und Gasquellen benutzt werden.
Bei diesem Verfahren ziehen Schiffe Hochdruckbehälter mit komprimierter Luft hinter sich her. In regelmässigen Abständen wird diese freigesetzt, wobei starke Druckwellen entstehen, die sich bis zum Meeresgrund fortpflanzen.
Die Reflexionen vermitteln ein Bild der Beschaffenheit des Meeresbodens.
Für Meeresbewohner haben diese ''Airguns'' jedoch verheerende Folgen, da der Schalldruckpegel bis zu 260 Dezibel (dB) erreichen kann. Zum Vergleich: Die menschliche Schmerzgrenze liegt bei 130 dB und eine Erhöhung um 6 dB entspricht einer Verdoppelung des Schalldrucks.
Obwohl über die Folgen noch diskutiert wird, geht man davon aus, dass für Wale und Delfine diese ''Airguns'' fatale Folgen haben, da Gewebeschäden auftreten und die akustische Kommunikation der Tiere gestört ist. 
Weitere Geräte wie z.B. das von der US-Marine entwickelte LFAS (Low Frequency Active Sonar), das zum Aufspüren von U-Booten dienen soll, erzeugt einen vergleichbaren lauten Schalldruck von ca. 235 dB bei besonders tiefen Frequenzen ( max. 3 kHz ). Dass diese für viele Walarten besonders gefährlich sind, zeigt eine Massenstrandung von 16 Schnabelwalen vor den Bahamas. Die Tiere strandeten kurz nach einem Test der US-Marine.
Tierärzte fanden Blutungen und Organschäden, die nur durch einen zu starken Schalldruck verursacht werden konnten. Ungeachtet dieser Problematik werden diese Tests (unter anderem mit Unterstützung der Bundeswehr) fortgeführt. 

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