| Alarmzustand
im Meer - Wale und Delfine in Gefahr
War
das Meer einst Symbol für Weite, Sauberkeit und Stille, so ist es
heute aufgrund menschlichen Zutuns alles andere als rein und ruhig.
Häufig werden der Walfang
und die unkontrollierte Fischerei-Industrie als grösste Gefahren für
Wale und Delfine angesehen, doch geht von der Vielfalt der chemischen und
akustischen Belastungen der Meere eine unvorhersehbare Bedrohung aus. Während
durch den Walfang getötete Tiere und Beifänge gezählt werden
können, ist das Ausmass einer durch Lärmbelästigung und
Chemikalien bedingten Verschmutzung der Gewässer nicht einfach zu
erfassen. Die Anzahl von Massenstrandungen hat jedoch drastisch zugenommen
und bei vielen Tieren wurden erhöhte Konzentrationen von toxischen
Chemikalien festgestellt, die womöglich die Ursache ihres qualvollen
Todes waren. Dabei waren es hauptsächlich hohe Konzentrationen von
Schwermetallen und halogenierten Kohlenwasserstoffen (z.B. DDT und PCB)
die nachgewiesen wurden. Auch die Zunahme von Lärm wie z.B. durch
Bohrinseln, ''Airguns'', militärische Echolote ( LFAS ) und Schiffsverkehr
hat negative Auswirkungen auf die Meeresbewohner, die sich durch Stress
und Verhaltensänderungen bis hin zu Organschäden bemerkbar machen
und letztendlich zum Tode führen können. |
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Woher
kommt die Verschmutzung?
Chemische
Kontamination (über Wasser und Luft):
- Abwasser
- Industrie-Abfallprodukte
- Ölindustrie
- Landwirtschaft (Düngemittel
und Pestizide)
- Farben (z.B. TBT: Tributylzinnverbindungen)
Akustische
Kontamination:
- Schiffsverkehr
- Bohrinseln
- Windkraftwerke
- ''Airguns''
- Militärische Übungen
(Torpedos, Explosionen, usw.)
- Echolot (LFAS)
- Projekt ATOC (Messung
von Temperaturschwankungen des Wassers durch Änderungen in der
Schallübertragungsgeschwindigkeit)
Weitere
Gefahren:
- Saurer Regen
- Globale Erwärmung
- Unkontrollierter Wal-
und Delfintourismus
Meeresverschmutzung
durch toxische Chemikalien
Die in den vergangenen Jahren
so hoch gepriesene industrielle Entwicklung hat nicht nur Gutes bewirkt.
Im Gegenteil, denn besonders für Tiere und Pflanzen haben industrielle
Fortschritte oft katastrophale Folgen. So zum Beispiel die vermehrte Nutzung
von synthetischen Chemikalien bei der Herstellung von Weichmachern (bei
PVC), Farben und Pestiziden. Obwohl die Dynamik und Toxikologie dieser
Stoffe im tierischen Gewebe erst seit wenigen Jahren Gegenstand zahlreicher
wissenschaftlicher Studien ist, sind einige Erkenntnisse bereits heute
äusserst besorgniserregend.
So hat man zum Beispiel im
Körper von vielen gestrandeten Cetaceen (Wale und Delfine) hohe Konzentrationen
von halogenierten Kohlenwasserstoffen gemessen. Da diese Stoffe extrem
fettlöslich sind, werden sie im Fettgewebe der Tiere eingelagert und
dringen bei der Milchproduktion oder beim Verbrauch von Fettreserven zur
Erzeugung von Energie in den Körper. Besonders in diesen Phasen, aber
auch in einem durch Dauerstress geschwächten Körper, können
diese Stoffe eine giftige Wirkung auf das Tier ausüben, die in einigen
Fällen mit dem Tod endet.
Besonders betroffen sind
Cetaceenarten, die sich am Ende der Nahrungskette befinden.
Da zwischen den einzelnen
Stufen der Nahrungskette die Konzentration der Giftstoffe um das 10 - 20
fache ansteigen kann, erfahren die Endglieder die Giftwirkungen besonders
stark.
Polychlorierte Byphenile
( PCB's ) sind die bekanntesten Giftstoffe und man geht davon aus, dass
die hohe Sterberate von Kälbern bei erstgebärendenden Müttern
( bis zu 65 % ! ) auf eine zu hohe Anhäufung von PCB in der Muttermilch
zurückzuführen ist. Bei männlichen Tieren führen hohe
Konzentrationen zu einer Immunschwäche und zu einer verminderten Fruchtbarkeit.
FALL
1: Orcas verenden an der kanadischen Pazifikküste.
Immer mehr Orcas sterben
um Vancouver Island. Seit 1995 sind 35 Tiere gestorben und nur 14 Kälber
wurden geboren. Allein im Winter 2001 hat der ''Pod'' von insgesamt 78
Tieren, den Verlust von 7 Individuen verzeichnet.
Wissenschaftler gehen davon
aus, dass mehrere Faktoren das Sterben der Orcas verursachen. Hauptgrund
sei aber die hohe Konzentration von PCB, die durch die Nahrungskette aufgenommen
wird.
Diese Orcas gehören
zu den sogenannten „Transients“, d.h. diese Tiere wandern und ernähren
sich hauptsächlich von anderen Meeressäugetieren wie z.B. Robben
und Delfinen und befinden sich somit am Ende der Nahrungskette.
Einige Konzentrationen gehören
zu den Höchsten, die je in Geweben eines Säugetieres festgestellt
wurden. PCB-Gehalte von 410 ppm ( parts per million ) und DDT-Gehalte von
346 ppm wurde in ihrem Fettgewebe gemessen. Zum Vergleich: Der Grenzwert
für rotes Fleisch, das für den menschlichen Verzehr bestimmt
ist, liegt für PCB bei 3 ppm und jener für DDT in Fisch bei 5
ppm!
Fall
2: PCB schwächt das Immunsystem bei Schweinswalen.
Mit der Hilfe des ''Centre
for Environment, Fisheries and Aquaculture Science'' in Essex haben Bennett
und Jepson seit 1990 gestrandete Schweinswale untersucht. Der durchschnittliche
PCB-Wert, den sie in 33 an Infektionskrankheiten gestorbenen Schweinswalen
fanden, lag bei 31,1 Milligramm pro kg Körperfett.
Im Vergleich dazu fand man
in 34 Schweinswalen, die nicht an solchen Krankheiten starben, sondern
unter anderem in Fischerei-Netzen erstickt waren, einen wesentlich niedrigeren
Wert, nämlich nur 13,6 Milligramm pro Kilogramm. Aufgrund dieser Ergebnisse
kann man davon ausgehen, dass PCB Meeressäuger auf fatale Weise schwächt.
Meeresverschmutzung
durch Plastik & Styropor
Nicht nur Umweltgifte, sondern
auch Kunststoffteile aus Plastik und Styropor stellen eine grosse Gefahr
für Delfine und Wale dar. Immer wieder werden diese in den Mägen
der Tiere festgestellt. Sie können nicht verdaut werden, führen
also somit zu einer schlechteren Nahrungsaufnahme der Tiere und schliesslich
zum Tod.
Wale
als Sondermüll?
Aufgrund der extrem hohen
Konzentrationen an PCB, DDT und Quecksilber müsste, wenn es nach europäischen
Richtlinien ginge, manches Walfleisch und -Fett als ''gefährlicher
Abfall'' entsorgt werden.
Nicht nur für die Wale
und Delfine stellen solche hohen Werte ein unkalkulierbares Risiko dar,
sondern auch für die Menschen, die sich von diesem Fleisch ernähren.
Die Grenzwerte, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für
Gifte festgelegt werden, werden häufig um ein Vielfaches überschritten.
In Japan haben bereits besorgte
Verbraucher und verschiedene Anti-Walfangorganisationen die Regierung gebeten,
den Import von Walfleisch zu verbieten, da Bedenken bezüglich der
menschlichen Gesundheit bestünden.
Auch die dänische Regierung
hat die Bewohner der Faroer Inseln vor dem regelmässigen Verzehr von
Walfleisch gewarnt, da dieses durch die Verseuchung der Meere bereits sehr
stark mit Quecksilber kontaminiert ist.
Die Grenzwerte der krebserregenden
und auf Dauer tödlichen Quecksilber-Belastungen der Meeressäuger
werden um das 200-fache überschritten. Für Schwangere wird vom
Verzehr des Walfleisches generell abgeraten.
Eine im Jahre 1998 veröffentlichte
Studie zeigt, dass die durchschnittliche Belastung an PCB in Walspeck von
Minkwalen 3,8 ppm betrug. Die höchste gemessene Konzentration lag
bei 20,8 ppm. Die höchste Konzentration von PCB in Meeresprodukten,
die in Japan vermarktet werden dürfen, beträgt jedoch ''nur''
0,5 ppm.
Mittlerweile wird spekuliert,
dass die Entsorgung der verseuchten Walprodukte ins Meer eine potentielle
Gefährdung der Umwelt darstellt, da diese die menschliche Gesundheit
gefährden.
Hohe
PCB Konzentrationen im Fett - ein positiver Nebeneffekt
So widerspruchsvoll es auch
klingen mag, dank industrieller Gifte, die die Meere und ihre Bewohner
verseucht haben, werden Wale und Delfine profitieren! Denn ihr Fleisch
ist dadurch für den Menschen lebensbedrohlich geworden.
Die
Meere werden immer lauter! - Die Wale immer weniger!
Es ist allgemein bekannt,
dass Schall im Wasser fünf mal schneller als in der Luft übertragen
wird. Daher verläuft die Kommunikation von Walen und Delfinen hauptsächlich
entlang der akustischen Modalität.
Während Bartenwale
besonders im tiefen Frequenzbereich gut hören, sind Zahnwale im oberen
Frequenzbereich äusserst empfindlich.
Die in den letzten Jahrzehnten
zunehmende Lärmentwicklung, die je nach Lärmquelle das gesamte
Frequenz-Spektrum betrifft, kann für viele Meeresbewohner katastrophale
Folgen haben.
An durch Schiffe erzeugten
Lärm und andere regelmässig auftretende Geräusche können
sich die Tiere meistens an einen bestimmten Geräuschpegel gewöhnen.
Dies bedeutet jedoch zunächst einmal Stress. In fast allen Fällen
reagieren die Tiere mit Flucht. Dazu verbrauchen sie viel Energie und ihre
Fresszeiten werden kürzer. Häufig werden Verhaltensveränderungen
registriert und in einigen Fällen verlassen die Tiere sogar ihr ursprüngliches
Gebiet.
Noch bedrohlicher sind jedoch
bestimmte Lärmquellen wie z.B. die ''Airguns'', die bei der so genannten
Reflexions-Seismik auf der Suche nach Öl- und Gasquellen benutzt werden.
Bei diesem Verfahren ziehen
Schiffe Hochdruckbehälter mit komprimierter Luft hinter sich her.
In regelmässigen Abständen wird diese freigesetzt, wobei starke
Druckwellen entstehen, die sich bis zum Meeresgrund fortpflanzen.
Die Reflexionen vermitteln
ein Bild der Beschaffenheit des Meeresbodens.
Für Meeresbewohner
haben diese ''Airguns'' jedoch verheerende Folgen, da der Schalldruckpegel
bis zu 260 Dezibel (dB) erreichen kann. Zum Vergleich: Die menschliche
Schmerzgrenze liegt bei 130 dB und eine Erhöhung um 6 dB entspricht
einer Verdoppelung des Schalldrucks.
Obwohl über die Folgen
noch diskutiert wird, geht man davon aus, dass für Wale und Delfine
diese ''Airguns'' fatale Folgen haben, da Gewebeschäden auftreten
und die akustische Kommunikation der Tiere gestört ist.
Weitere Geräte wie
z.B. das von der US-Marine entwickelte LFAS (Low Frequency Active Sonar),
das zum Aufspüren von U-Booten dienen soll, erzeugt einen vergleichbaren
lauten Schalldruck von ca. 235 dB bei besonders tiefen Frequenzen ( max.
3 kHz ). Dass diese für viele Walarten besonders gefährlich sind,
zeigt eine Massenstrandung von 16 Schnabelwalen vor den Bahamas. Die Tiere
strandeten kurz nach einem Test der US-Marine.
Tierärzte fanden Blutungen
und Organschäden, die nur durch einen zu starken Schalldruck verursacht
werden konnten. Ungeachtet dieser Problematik werden diese Tests (unter
anderem mit Unterstützung der Bundeswehr) fortgeführt.
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